"Unabsteigbar" in Mödling

23.05.2021

Knapp über 1.300 Fußball-hungrige Zuschauer verirrten sich Freitagabend, bei angenehmen Maiwetter in die BSFZ-Arena der Admira Wacker Mödling. Die letzte Runde der Bundesligasaison 2020/21 stand bevor und im Zuge der erneuten Corona-Lockerungen der Regierung wurden ebenso erste Öffnungsschritte für Fußballstadien der obersten österreichischen Spielklassen verkündet: bis zu 3.000 Zuseher dürften während der letzten beiden Spieltage - unter Berücksichtigung verschiedenster Präventionsmaßnahmen - die Sitzreihen der Spielstätten in Mödling, Ried, St. Pölten, Hütteldorf, Salzburg und Wolfsberg füllen. Gierig nach "qualitativ fragwürdigem" Fußball, fanden sich - wenig überraschend - auch die Jungs der "Nosebleed Section" an jenem Freitagabend in den Rängen der BSFZ-Arena wieder.


Die Partie selbst war zweitrangig. Nicht zuletzt aus dem Grund, dass keine der beiden Mannschaften, weder die Admira noch der SCR aus Altach, etwas zu gewinnen oder zu verlieren hatte. Beide Vereine befanden sich im Mittelfeld der Relegationsgruppe der österreichischen Bundesliga - von vielen auch euphemistisch als "Unterer Playoff" bezeichnet. Diese Gruppe verfügt bloß über zwei ernüchternde Beweggründe, um die teilnehmenden Mannschaften zum Spielen zu motivieren: Zum einen erhält die Gruppenspitze einen Qualifikationsplatz für die European Conference League - dem neugeborenen kleinen Bruder der Champions und Europa League. Zum anderen wird gegen den Abstieg in die grausame "Liga Zwa" gekämpft.

Allerdings standen bereits vor Spielbeginn die Teams fest, denen diese Schicksale zu Teil werden würden. Zeitgleich mit dem Aufeinandertreffen der Admira Wacker und dem SCR Altach würden sich die verarmte und zu bemitleidende Wiener Austria und der TSV aus dem steirischen Hartberg im Fernduell um den ersten Platz streiten. Der Absteiger stand ebenso bereits fest: der in Mödling spürbar verhasste SKN aus St. Pölten.

Des Weiteren war im Vorfeld unklar, ob die Partie überhaupt stattfinden würde, denn die niederösterreichische Seite hatte 15 Corona-bedingte Ausfälle zu beklagen. Um dennoch antreten zu können, wurden rasch einzelne Nachwuchsspieler auserwählt.

Das Spiel verlief folglich dementsprechend unspektakulär. Aber wie bereits erwähnt: die sportlichen Aspekte des Events standen nicht im Fokus. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass die Eingänge der "größeren Sportplätze" des Landes wieder (für eine bestimmte Zuschauerzahl) offenstehen!

Nach dem Verweis auf meine zurückliegende Covid-19-Erkrankung und einem kurzen "Security-Check" beim Betreten der Arena, durfte ich wenige Minuten vor Anpfiff in den oberen Rängen der Haupttribüne Platz nehmen. Die sehnsüchtig erwartete Stadionatmosphäre war direkt gegeben! Schlangen vor den Sanitäranlagen, der gewohnte Duft von Zigaretten und Bier in Plastikbechern, das übliche Klientel aus Pensionisten, Studenten, U14-Nachwuchskickern und übermotivierten Mid-30ern und das gnadenlose Beschimpfen der gegnerischen sowie der eigenen Spieler. Als die angereisten Fans des SCR am äußersten Rand der Spielstätte ein kurzes pyrotechnisches Meisterwerk in die Wege leiteten - das nach wenigen Sekunden von einem verantwortungsbewussten Ordner unterbunden wurde - erfüllte mich ein Gefühl der Freude und Zufriedenheit. Österreichs Spitzenfußball hat seinen unentbehrlichsten Entertainment-Faktor zurückgewonnen: die Fankultur.

Während am Horizont, die Sonne unterging und die Temperaturen sanken, brachten vereinzelte, kurzlebige Fan-Gesänge die Tribüne zum Kochen. Ekstatisch starteten einzelne kräftige und lautstarke Männer "ADMIRA WACKER!" oder "DEINE MAMA SCHREIT ADMIRA!"-Rufe. Doch ein Slogan blieb besonders in Erinnerung: das wenig originelle, dennoch mitleidserregende "UN-AB-STEIG-BAR!". Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, als Fan des FAK wäre ich mittlerweile Kummer gewohnt, doch das hoffnungslose Klammern der Admira-Fans nach ein wenig Relevanz erweckte ein Gefühl von leidvoller Empathie.

Aber die Mannschaft aus Mödling konnte die Fans, deren Masken zum größten Teil bestenfalls das Kinn bedeckte, bedauerlicherweise nicht mit einem Sieg belohnen. Doch der Endstand von 1:1 kümmerte ohnehin die Wenigsten, denn es war das Toben der betrunkenen Menge nach Abpfiff, das österreichische Fußballherzen höherschlagen lässt.


Autor: Daniel Hahofer