Das RedBull Imperium

02.12.2020

Mit dem Aufstieg von RedBull Bragantino in die brasilianische Série A spielen nun bereits vier RedBull Teams in den höchsten Ligen ihrer jeweiligen Verbände in Österreich, Deutschland, Brasilien und den USA. Seit der Übernahme des SV Austria Salzburg im Jahr 2005, wurde der Energy Drink Hersteller in der Welt des Fußballs immer einflussreicher, spaltete Fans in- und außerhalb der eigenen Vereine, entwickelte einige der gefragtesten Talente Europas und kreierte eine moderne, aufregende Art und Weise Fußball zu spielen. RedBull hat sich bereits in der Formel 1, Ice Hockey und verschiedensten Extremsportarten etabliert und versucht nun auch im beliebtesten Sport der Welt Fuß zu fassen. RB Leipzig erreichte letzte Saison das Halbfinale der Champions League und Spieler wie Timo Werner, Naby Keïta und Erling Haaland schlossen sich europäischen Spitzenteams an. Wie konnte es so weit kommen?

Salzburg, Österreich

RedBull-Gründer Dietrich Mateschitz übernahm seinen ersten Verein in seiner Heimat Österreich, genauer gesagt in Salzburg im Jahr 2005. Aber anstatt einen neuen Club zu gründen, entschied sich Mateschitz gleich einen bestehenden Verein zu übernehmen, der sich bereits in der Österreichischen Bundesliga etabliert hatte - den SV Austria Salzburg. Was folgte war ein so genanntes "Rebranding" des Traditionsvereins. Einer Umbenennung in FC RedBull Salzburg folgte die Änderung der ikonischen Vereinsfarben violett-weiß in rot-weiß, außerdem wurde das alte Wappen gegen ein komplett neues ausgetauscht. Die Fangemeinde war alles andere als einverstanden damit, was RedBull ihrem geliebten Verein antat und protestierten gegen das neue Regime - ohne Erfolg. Die Fans gründeten den Verein neu und startenten ein Neuanfang in der niedrigsten Klasse in Österreich, ähnlich zum FC United of Manchester und dem AFC Wimbledon in England. RedBull Salzburg überließ dagegen nichts dem Zufall und gab im ersten Transferfenster gleich 10 Millionen Euro aus, 4 Millionen davon für einen einzigen Spieler - unfassbare Summen für die Österreichische Liga. Kein Verein hatte jemals auch nur ansatzweise so viel Geld ausgegeben. Außerdem wurde mit Giovanni Trapattoni ein Trainer geholt, der bereits mit Juventus die Champions League gewonnen hatte, um den teuersten Kader der Liga zu betreuen. Salzburg gibt bis heute mit Abstand das meister Geld für Spieler in Österreich aus - die 10 teuersten Transfers der Ligageschichte wurden allesamt von RedBull getätigt, noch absurder ist wahrscheinlich, dass von den 50 teuersten Spielern nur 14 nicht in Salzburg gelandet sind. Nachdem jahrelang große Summen ausgegeben wurden, entschied sich RedBull in Salzburg verstärkt auf die Jugendarbeit zu setzen. Statt teure Spieler in ihren besten Jahren zu holen, sollten Talente ausgebildet werden. 2012 übernahm RedBull den unterklassigen FC Liefering, um damit die Jugendmannschaft, die "Red Bull Juniors" zu ersetzen und ihn als Farmteam für die erste Mannschaft zu benutzen - Spieler wie Dayot Upamecano, Stefan Lainer und Dominik Szoboszlai spielten alle für Liefering, bevor sie in den Kader von Salzburg aufgenommen wurden.

New York, USA

2006, nur ein Jahr nach der Übernahme von Salzburg, akquirierte RedBull die New York Metro Stars, ein Franchise aus der amerikanischen MLS. Dass der neue Vorstand sofort ein Rebranding für den Verein beschloss, überraschte wohl niemanden. Die "New York Red Bulls" waren geboren, doch auch in New York stieß das neue Image bei den Fans auf wenig Verständnis. Sie fühlten sich, als ob der Verein durch die Übernahme seine Identität eingebüßt hätte. Ein Investment einer österreichischen Marke in einen Verein in Salzburg war nachvollziehbar, aber New York hatte nichts mit RedBull zu tun. Wie auch schon in Österreich, hielt sich RedBull finanziell nicht zurück - Stars aus der englischen Premier League wie Tim Cahill oder Thierry Henry wurden verpflichtet um den Verein an die Spitze des amerikanischen Fußballs zu führen. Allerdings konnte der Club seit der Übernahme den MLS Cup kein einziges Mal gewinnen und nachdem keine wirklichen Erfolge gefeiert werden konnten und der Konzern einen weiteren Verein übernahm, mussten auch die Red Bulls ihren Fokus auf die Entwicklung von Jugendspielern lenken.

Leipzig, Deutschland

Die wichtigste, erfolgreichste aber auch kontroversteste Übernahme in der noch jungen Geschichte von RedBull im Fußballgeschäft ist ohne Zweifel jene des SSV Markranstädt im Jahr 2009. Der Verein aus Sachsen spielte in der fünften Liga in Deutschland, als RedBull kam und wieder alles änderte, um dem Leitmotiv des Konzerns gerecht zu werden, außer den Namen. Aus irgendeinem Grund wurde der Verein in "RasenBallsport Leipzig" umbenannt, ein ungewöhnlicher Name für einen Fußballverein. Aber warum nicht einfach RedBull Leipzig? Einen Firmennamen im Vereinsnamen zu haben ist in Österreich und den USA nicht untypisch und völlig legal, allerdings gilt das nicht für Deutschland - aufgrund der "50+1 Regel". Der neue Name erlaubte es dem Konzern, keine der Regularien zu verletzen, aber trotzdem einen Namen zu haben, der zu "RB Leipzig" abgekürzt werden konnte - "RB" stand natürlich für RedBull. Nach der Übernahme marschierte der Club von der Oberliga bis in die Bundesliga und belegte in der ersten Saison im deutschen Oberhaus 2016/17 den zweiten Platz hinter Bayern München und qualifizierten sich für die Champions League Gruppenphase.

Nachdem man nun weiß, wie das RedBull-System aussieht, wie genau funktioniert es? Zuerst muss man über den Spielstil sprechen. Jedes Red Bull Team spielt einen sehr ähnlichen Fußball - Gegenpressing. Bedingungsloses, aggressives Pressing ermöglicht es Leipzig, Salzburg und sogar Liefering, dem Gegner so gut wie keinen Raum zu lassen. Die Intention ist immer, den Ball so schnell und so weit vorne wie möglich zurückzuerobern und die schnellen, explosiven Angreifer mit vertikalen Bällen zu bedienen. Diese Art, Fußball zu spielen, ist mittlerweile als "RB-Fußball bekannt". Alle Jugendspieler im RedBull Imperium lernen schon sehr früh, wie man in diesem System spielt, damit sie potenziell bei jedem RedBull-Verein funktionieren - in den Alpen genau so wie im Big Apple. Idealerweise könnte ein junger Brasilianer seine Karriere bei RedBull Bragantino beginnen, zu Liefering wechseln, um sich in Europa zu akklimatisieren, bis er gut genug für Salzburg ist. Entwickelt er sich dort gut genug, kann er seine besten Jahre in Leipzig verbringen, um alle Titel mitspielen und zu einem Superstar werden. Am Ende seiner Karriere könnte er dann zu den Red Bulls wechseln, in einer Weltstadt wie New York leben und seinen Ruhestand genießen. Eine sehr ähnliche Entwicklung nahm Brighton-Verteidiger Bernardo, der zuerst für Bragantino, dann für Salzburg und Leipzig spielte, bevor er in die Premier League wechselte. Ein exzellentes Scoutingsystem ermöglicht es RedBull, einzigartige Talente zu finden und zu verplichten - Sadio Mané, Naby Keïta, Erling Haaland, Timo Werner, Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer and Dominik Szoboszlai um nur ein paar zu nennen.

Doch nicht jeder Fan ist glücklich damit, wie sich RedBull im Fußball etabliert hat. Der Konzern gibt offen zu, dass die Vereine nur existieren, um den Energy Drink zu vermarkten, also mehr Dosen RedBull zu verkaufen und um die Marke weniger abhängig von ihrem Hauptprodukt zu machen - ein Schlag ins Gesicht für leidenschaftliche Fans, die Fußballkultur und Tradition wertschätzen und sich gegen die Kommerzialisierung des Sports aussprechen. Wenn man dann auch noch die finanziellen Vorteile der RedBull Clubs und das Hin- und Herverschieben von Spielen zwischen Salzburg und Leipzig für fragwürdige Summen in Betracht zieht, erschließt schnell, warum die Vereine regelmäßig in Kontroversen verwickelt sind und die Fußball Community spalten. Leipzig zum Beispiel hat mehr Spieler von Salzburg transferiert, als von ihren eigenen Jugendteams. Aber was auch immer man vom RedBull Imperium hält, es ist ohne Frage erfolgreich.

Autor: Dominik Plöchl