Attention To Detail: Die Sportwissenschaftliche Revolution und RAWO

25.11.2020

Heutzutage geht keiner mehr in ein Fitnessstudio. Jeder Spitzensportler, der etwas auf sich hält, trainiert "im Lab(or)", wie auf Social Media immer wieder behauptet wird. Wenn man sich allerdings die jüngsten Entwicklungen in den Bereichen Training, Verletzungsprävention und Spielerentwicklung genauer ansieht, scheint die Bezeichnung von Trainingseinrichtungen als Labor gar nicht so weit hergeholt. Eine wissenschaftliche Vorgehensweise und das Sammeln und Anwenden von empirischen Daten erlaubt es Einrichtungen wie P3 und SPARTA SCIENCE in Kalifornien oder der, in Österreich ansässigen, Institution RAWO essenzielle Aspekte des Sports wie Training, Rehabilitation und Vorbeugung von Verletzungen besser zu verstehen und zu optimieren.

Den Grundstein für die Entwicklung von datengesteuertem Training legten Experten wie Dr. Marcus Elliot von P3 und Phil Wagner von SPARTA SCIENCE. Beide sind mittlerweile Marktführer und unterstützen unzählige Profi- aber auch Amateurathleten mit individuellen Trainingseinheiten, um das Verletzungsrisiko zu minimieren und den Sportler eine lange und erfolgreiche Karriere zu ermöglichen.


P3 war die erste Institution, die eine wissenschaftliche Herangehensweise an das Thema wählte und 2006 riesige Datenbanken nutze, um sämtliche Bewegungen von Spitzensportlern zu analysieren. Dr. Elliot und seine Mitarbeiter sind sogar davon überzeugt, in die Zukunft schauen zu können. Mit Hilfe von Druckplatten, Hochgeschwindigkeitskameras und Motion-Capturing - eine Software zur Bewegungserfassung - kann P3 Unmengen an biomechanischen Datenpunkten an ihren Klienten erfassen. Nach der Evaluierung der gesammelten Daten, ist es möglich zu bestimmen, welche Körperteile am anfälligsten für Verletzungen sind und wo eventuell noch Verbesserungspotenzial besteht. Diese Informationen ermöglichen es P3  individuelle Trainingspläne und Therapien zusammenzustellen, die den Bedürfnissen des Klienten angepasst sind. Bei der Visualisierung, zum Beispiel, können die Mitarbeiter erkennen, welche Bewegungen asymmetrisch sind, wann der Körper sich in einem Ungleichgewicht befindet und ob diese Bewegungsmuster potenziell eine Verletzung hervorrufen könnten. Ist das der Fall, kann umgehend reagiert werden. Das Trainingsprogramm der Klienten wird um ein paar spezielle Übungen erweitert, die bei der Korrektion der Asymmetrien helfen sollen.

Während dem Assessment - der Datenaufnahme - liegt der Fokus des P3-Teams nicht auf der Höhe eines Sprungs oder der Spitzengeschwindigkeit eines Athleten, sondern wie dieser springt und wie er be- und entschleunigt. All diese Bewegungen werden gefilmt und in Datensätzen zusammengefasst und werden danach von einem Algorithmus entschlüsselt, was wiederum einen akkuraten Vergleich mit all den bisher erfassten Daten ermöglicht. Schlechte Angewohnheiten des Bewegungsapparats und schädliche Bewegungsmuster können sofort erfasst und korrigiert werden, außerdem wird die Genauigkeit des Systems, mit weiteren Dateneinträgen kontinuierlich erhöht.

Für Dr. Elliot von P3 ist das Erleiden einer Verletzung kein Zufallsevent. Die Vorhersagen dieses Modells könnten den Bereich der Verletzungsprävention revolutionieren. Auch wenn es keinen Komplettschutz vor Verletzungen garantieren kann, wird das Risiko deutlich gesenkt. Außerdem sollte erwähnt werden, dass diese, auf künstlicher Intelligenz basierenden, Konzepte noch in den Kinderschuhen stecken.

Die Analyse und das Erstellen von Prognosen für Verletzungen zählen zu den am meisten beforschten Gebieten der Sportwissenschaft, ständig werden neue Entdeckungen in diesem Bereich gemacht. Eine Analyse des ehemaligen NBA MVP James Harden ergab, dass seine Athletik etwa dem Durchschnitt entspricht. Bei genauerer Betrachtung der biomechanischen Daten fiel allerdings auf, dass er unglaublich gut abbremsen kann - also die Fähigkeit außergewöhnlich schnell stehenzubleiben und die Richtung zu wechseln.

Die Welt des Sports beginnt langsam, die Vorteile dieser Neuentdeckungen zu schätzen, immer mehr NBA Teams stellen mittlerweile eigene Sportwissenschaftler ein, um so viele ihrer Spieler wie möglich fit zu halten.


Ein weiterer Wettstreiter in der Industrie der Sportwissenschaft ist Phil Wagner und seine Kreation SPARTA SCIENCE. Ähnlich wie Dr. Marcus Elliot benutzt er analytische Werkzeuge um die athletischen Fähigkeiten seiner Klienten zu verbessern und ihre aktive Laufbahn zu verlängern. Außerdem glaubt der Betrieb fest daran Faktoren kontrollieren zu können, die andere als Glück abstempeln oder nicht einmal in Anbetracht Ziehen würden.

Außerdem beurteilt SPARTA SCIENCE ebenfalls ihr Klientel, indem sie mithilfe von Force Plates und Sensoren Daten sammeln. Hierbei fokussiert sich Wagner allerdings auf die Sprungbewegung eines Athleten, mit dem Hintergedanken, dass jegliche Art von Bewegung vom Boden oder Grund aus initiiert wird. Ein Sprung kann nämlich in drei Phasen geteilt werden - eine Ladephase, eine "Explosion" bzw. Wechsel- oder Übergangsphase und einen "Drive" oder eine Streckungsphase. Da Sportler und ihre individuellen Bewegungsmuster untereinander aber in keinem Fall zu 100% gleich sind, verteilt jeder einzelne Athlet seine oder ihre generierte Kraft auf unterschiedliche Weise über die drei Phasen. Deshalb glaubt Phil Wagner, dass jene, die in gewissen Aspekten der Produktion ihrer Kraft über Defizite verfügen, letztendlich besonders verletzungsanfällig sind.


In der Zwischenzeit führt der österreichische Betrieb RAWO - kurz für "Researched Athletes World" - die Bewegung in Europa an. Das Projekt wurde 2014 ins Leben gerufen, mit dem Ziel einen psychologischen und auf Daten basierenden Ansatz zu entwickeln, der dazu beiträgt den Bewegungsapparat eines Athleten besser zu verstehen und diesen zu verbessern. "Lead the industry through innovation, experience and science" (= "Führe den Markt durch Innovation, Erfahrung und Wissenschaft!") ist das Motto von Gründer Marko Rados und seinem Team.

Der europäische Spitzenreiter unterscheidet sich allerdings nicht nur aufgrund seines fortschrittlichen wissenschaftlichen Ansatzes im Bezug auf Training, "Assessment" und Behandlung, sondern auch durch die betriebseigene Kultur und Prioritätensetzung, die man innerhalb der noch kurzen Firmenhistorie etablieren konnte. Bei RAWO hat nämlich der Klient oberste Priorität - unabhängig von seinem oder ihrem Spielniveau. Denn das Ziel ist es eine solide athletische Basis aufzubauen, wobei auch der Charakter gestärkt werden soll. Darum zielt man bei RAWO darauf ab, einen hochqualitativen Service anzubieten, durchgeführt von ausgebildeten und erfahrenem Fachpersonal in einer positiven und erfolgsorientierten Umgebung, zu einem Preis, der auch Amateuren erlaubt, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Man hat sich hohe Standards gesetzt, indem man sich nicht mit dem Mittelmaß zufriedengibt und sich nicht auf Schätzungen oder Vermutungen verlässt, sondern auf Daten und präzise, auf Recherche basierende Methodik.

Ihr neu entworfenes Projekt "RAWO INTELLIGENCE" soll objektiv die Körperfaktoren eines Sportlers vermessen und bewerten, um ein Trainingskonzept konstruieren zu können, welches auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten angepasst ist. Die Struktur des Programms ist vergleichbar mit dem System, von dem P3 in Santa Barbara Gebrauch macht, weil es ebenso die Verbesserungen und die Charakteristik des Spielers mithilfe detaillierter Datenanalyse verfolgt und mit jedem hinzugefügtem Datensatz ihre Genauigkeit erhöht.


Obwohl viele Firmen, wie beispielsweise P3 und SPARTA SCIENCE, scheinbar einen Markt für die Kombination von Sport und Wissenschaft in den Vereinigten Staaten etabliert haben und unzählige Start-Ups versuchen ihre Strategien und Konzepte zu übernehmen, kann das Gleiche nicht vom europäischen Raum behauptet werden. RAWO, welcher Teil einer Minderheit in Europa ist, möchte diesen Stand der Dinge jedoch verändern, indem man den, auf Daten und "Machine Learning" aufgebauten, Ansatz spürbar verbessert und somit einen Weg für einen zukünftigen Markt in diesem Feld im europäischen Großraum freischaufelt.

Aber ihre Intentionen sind nicht rein geschäftsorientiert. Bei RAWO bemüht man sich, die Optimierung in allen Facetten des Lebens zu erreichen. Denn während das RAWO-Team die Performance ihrer Athleten verbessert, optimale Karrierewege kreiert, das Verletzungsrisiko ihrer Kunden minimiert und deren Langlebigkeit fördert, liegt ein weiterer Fokus darauf, Neuankömmlinge im Bereich Training sowie die Allgemeinheit zu belehren und Informationen zur Verfügung zu stellen.


Autor: Daniel Hahofer

Übersetzung: Dominik Plöchl, Daniel Hahofer

Quellen:   verlinkt unter Originalversion

(Links zu Videos, etc. ebenfalls in Originalversion verlinkt)

Bilder von Marko Rados