Manchester City und ihr unvergleichliches Netzwerk

07.11.2020

Am 3. September 2020 übernahm die City Football Group den ES Troyes aus der französischen Ligue 2 - das ist bereits der zehnte Verein in ihrem Netzwerk. Der wohl bekannteste darin ist Manchester City, die Skyblues wurden 2008 übernommen.

Doch bevor wir ManCity genauer unter die Lupe nehmen, müssen wir zuerst weiter südlich nach London schauen - um genau zu sein, an die Stamford Bridge. Der FC Chelsea leiht jedes Jahr eine fast schon absurde Menge an Spielern aus, allein diesen Sommer waren es 18. Dieses Vorgehen wurde in der Vergangenheit immer wieder aufgrund der fehlenden Erfolge auf dem Platz kritisiert. Einige der besten Spieler des Planeten wie Kevin De Bruyne, Mohammed Salah und Romelu Lukaku waren Teil der so genannten "Loan-Army", den großen Durchbruch schaffte allerdings keiner der drei bei den Blues. Dass das System allerdings hocherfolgreich ist, spiegelt sich in den Vereinsfinanzen, ein funktionierendes Leihsystem bringt dem Verein schließlich ein regelmäßiges Einkommen am Transfermarkt. Aber was hat all das mit Manchester City zu tun? Die finanziellen Vorteile, die der FC Chelsea genießt, blieben nicht unbemerkt und so entschied sich die City Football Group, Effizienz im Leih-Transfermarkt auf ein komplettes neues Level anzuheben. In den letzten zwölf Jahren, arrangierten sie die Übernahme von neun weiteren Vereinen überall auf der Welt.

New York City FC (USA) - MLS

Melbourne City FC (Australien) - A-League

Yokohama F. Marinos (Japan) - J1-League

Club Atlético Torque (Uruguay) - Primera División

FC Girona (Spanien) - Segunda División (zweite Liga)

Sichuan Jiuniu (China) - dritte chinesische Liga

Mumbai City FC (Indien) - Indian Super League

Lommel SK (Belgien) - Division 1B (zweite Liga)

ES Troyes AC (Frankreich) - Ligue 2

Die Gruppe hat nun die Mehrheit im Vorstand von einem Fußballverein auf jedem Kontinent, außer Afrika. Jeder einzelne dieser Vereine übernimmt die Rolle eines "Farmteams" für die Skyblues um sicherzustellen, dass sie die größten Talente aus allen Regionen der Welt erhalten.

Der Transfer von Olarenwaju Kayode ist wohl das beste Beispiel, das man anführen kann, um zu erläutern, wie diese Farmteams funktionieren. Der Nigerianer hatte gerade die beste Saison seiner Karriere gespielt, 2017 wurde er Torschützenkönig der Österreichischen Bundesliga und erzielte insgesamt 24 Tore in der Liga, dem Pokal und der Europa League für Austria Wien. Solche Leistungen blieben natürlich nicht unbemerkt und so brachten sich einige Clubs in Stellung, um den 24-Jährigen zu verpflichten. Als jedoch niemand geringerer als Manchester City 3,8 Millionen Euro für den Stürmer bot, haben sich wohl die selbst die Verantwortlichen der Veilchen die Augen gerieben. Kayode war ohne Frage ein guter Spieler, aber die Citizens hatten mit Sergio Agüero bereits einen Weltklasse-Stürmer vorne drin. Außerdem verstärkten sie sich erst im Winter-Transferfenster für 32 Millionen Euro mit Gabriel Jesus, einem der besten Stürmertalente, das Brasilien zu dieser Zeit so zu bieten hatte. Man musste sich also die Frage stellen, wie Kayode bei dieser Besetzung auch nur in die Nähe der Startelf kommen sollte. Wie auch immer, der Stürmer machte sich auf den Weg nach Manchester um dort alle medizinischen Tests zu absolvieren und unterschrieb einen 4-Jahresvertrag. Auf den ersten Blick machte dieser Transfer überhaupt keinen Sinn. Nur einen Tag später, stellte dann der FC Girona Kayode als Neuverpflichtung vor, er schloss sich den Katalanen für ein Jahr per Leihe an. Girona war gerade zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die spanische LaLiga aufgestiegen und die Citizens wollten alles in ihrer Macht Stehende tun, um dem Verein zu helfen, nicht gleich wieder abzusteigen. Der Nigerianer war dabei nicht der einzige Spieler, der ausgeliehen wurde. Auf seinem Weg vom Etihad Stadium nach Girona wurde er von Pablo Maffeo, Aleix Garcia, Douglas Luiz und Marlos Moreno begleitet. Wenn man sich ansieht wie und warum Spieler in diesem Netzwerk verschoben werden, ist der Transfer von Kayode eigentlich keine große Überraschung. Er war gar nicht für Pep Guardiola´s Team vorgesehen, das war nie der Plan! Wären die Spanier Kayodes erste Wahl für eine feste Verpflichtung gewesen? Vermutlich nicht. Außerdem hätten sie wohl die Transfersumme und das geforderte Gehalt nicht stemmen können, der Spieler wäre für Girona einfach zu teuer gewesen - aber für ManCity nicht! Der Stürmer spielte insgesamt zwölf Mal in LaLiga, sein Team konnte als 10. probemlos die Klasse halten. Er durfte allerdings kein einziges Mal für Manchester City auflaufen und spielt jetzt bei Sivasspor in der Türkei.

Es stellt sich die Frage warum ManCity sich überhaupt dafür interessiert, wie sich ihre Farmteams schlagen. Zuerst muss gesagt werden, dass die Skyblues und Girona eine spezille Beziehung zueinander haben. Die Katalanen gehören zum Teil einem gewissen Pere Guardiola, dem Bruder von City-Trainer Pep. Die Stadt Girona ist nur etwa eine Stunde Fahrzeit von Santpedor, Guardiolas Geburtsort, entfernt. Kein anderes Team profitierte so von der Partnerschaft mit Manchester wie die Katalanen. Sie haben mit Abstand die meisten City-Spieler seit der Übernahme 2008 erhalten, unglaubliche 14 Mal wurde jemand seit der Saison 2015/16 ins Estadi Municipal de Montilivi transferiert, bei jedem einzelnen dieser Transfers handelte es sich um eine Leihe. Um dieser Zahl etwas Kontext zu geben, die nächsten drei Vereine in die Statistik - Celtic, NAC Brada und Middlesbrough - zusammen, haben nur 12. ManCity möchte, dass ihre Leihspieler auf dem höchstmöglichen Level spielen. Die Farmteams ermöglichen, dass diese nicht nur Spielpraxis sammeln, sondern sich auch unter den besten Jungentrainern in hochmodernen Trainingseinrichtungen weiterentwickeln können. Wenn sie von der Leihe zurückkommen, werden sie entweder als gut genug für die erste Mannschaft befunden, mit Gewinn verkauft oder ein weiteres Mal ausgeliehen. Dieses System wurde von den RedBull Clubs perfektioniert, doch das ist eine andere Geschichte.

Autor: Dominik Plöchl